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Die Geschichte des Bocklradweg

Der Eslarner Bockl

Diese Bahntrasse bzw. Eisenbahnlinie dürfte einst mit zu den bekanntesten in der nördlichen Oberpfalz gezählt haben. Die Geschichte reicht 115 Jahre zurück.

Je dichter das Netz der Hauptbahnen in Bayerns wurde, desto lauter wurde der Ruf solcher Orte und Gegenden die noch keine Eisenbahn hatten, sie wenigsten mit einer Bahn untergeordneter Bedeutung dem aufwärts strebenden Eisenbahnverkehr zu erschließen. Schon Jahrzehnte früher, beim Bau einer Hauptverbindung nach Böhmen, war Vohenstrauß im Gespräch gewesen, jedoch wurde diese Verbindung 1861 dann von Schwandorf über Cham und Furt im Wald ins Böhmische Taus geführt, die zweite 1864 über Wiesau und Waldsassen nach Eger. Mit zahlreichen Bittschriften forderten die verschiedenen Gemeinden und Persönlichkeiten, allen voran Gustav von Schlör, immer wieder eine Eisenbahn in den Oberpfälzer Wald hinein.

Eröffnung 1886 Am 16.Oktober 1886 wurde dann als Folge des bayerischen Lokalbahngesetzes von 1882 die Lokalbahnstrecke Neustadt a.d. Waldnaab - Vohenstrauß ihrer Bestimmung übergeben. Auf der Strecke verkehrten anfangs täglich zwei Züge in jeder Richtung mit 25km/h; die Reisegeschwindigkeit war jedoch noch erheblich geringer. Eine Fahrt mit dem "Eslarner Bockl" dauerte etwa zweieinhalb Stunden. In den folgenden Jahrzehnten trug die 25 Kilometer lange Schienenverbindung wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung in den angeschlossenen Gemeinden bei. Bis zum 01.Mai 1908 war die Strecke über Waidhaus (Eröffnung am 16.Oktober 1886) auch nach Eslarn verlängert, da das Pfreimdtal mit seiner Unzahl von Glasschleifen unbedingt eine Bockl-Anbindung benötigte. Flossenbürg musste bis zum 01.Mai 1913 warten, bis die Ortschaft einen von Floß abzweigenden und 6,2 Kilometer langen Anschluss bekam. Transportmöglichkeiten für die Granitindustrie spielten hier eine wichtige Rolle. Das Haupttransportgut war der in Flossenbürg abgebaute Granit, der insbesondere 1936 für die Nürnberger Parteitagsbauten des NS-Regime in großen Mengen befördert wurde. Der Transport von Häftlingen ins ehemalige KZ Flossenbürg zählt zu den traurigen Kapiteln dieser Strecke.

Haltestelle im Haltepunkt St.Felix gelegen. Am linken Bildrand ist ein Werksgleis der ehemaligen Fa. F.X Nachtmann Bleikristall zu erkennen Große betriebliche Probleme bereitete neben den Steigungen der Schnee. Die Strecke war stark Schneewehen gefährdet, da besonders im Winter Ostwind herrschte, welcher im Volksmund "Der Böhmische" genannt wird. Oft musste die Strecke mehrmals täglich freigeschaufelt werden. Eigene Schneeschutzwälle wurden aufgeschüttet und bepflanzt. Viele werden sich auch noch an die für den Personenverkehr eingesetzten "Schienenbusse" erinnern. Die roten Ungetüme tauchten in den fünfziger Jahren auf und leisteten gute Dienste.

Am 28. Mai 1972 wurde auch der Güterverkehr und somit der Gesamtverkehr auf der Strecke von Floß nach Flossenbürg endgültig stillgelegt und danach die Gleise abgebaut. Wirtschaftliche Gründe waren es, die dazu führten, dass in den siebziger Jahre der Niedergang der Strecke seinen Anfang nahm. So kam beispielsweise 1975 das Aus für die Personenbeförderung zwischen Floß und Eslarn.

Köf 335 Bis zum 28. Mai 1995 zog noch eine Kleinlok "Köf 335" Güterwaggons zwischen Neustadt Altenstadt a.d. Waldnaab und Vohenstrauß hin und her. 1993 endete der Güterverkehr zwischen Vohenstrauß und Eslarn und am 01.Dezember 1995 war dann endgültig alles vorbei. Der Eslarner Bockl war über 100 Jahre hinweg eine Lebensader dieser Region, hat die Industrie und den Wohlstand in diesen Teil der Oberpfalz gebracht. Er wurde ein Opfer des Individualverkehrs und den damit verbundenen, einseitigen Verkehrsangebot.

In den Jahren 1996 bis 1999 richtete der Landkreis Neustadt a.d.Waldnaab, in Zusammenarbeit mit den Kommunen Vohenstrauß, Pleystein, Waidhaus und Eslarn, mit Hilfe der Naturparkförderung und EU-Projektzuschüssen, zunächst auf einem 24 km langen Teilstück, einen Rad- und Wanderweg ein. Dieser hat sich mittlerweile zu einem absoluten Highlight in der nördlichen Oberpfalz entwickelt und ist nach der Endausbauphase fast 50km lang. Der Umbau der Bahntrasse, auf dem früher der legendäre "Eslarner Bockl" schnaufte, zum Radweg kostete insgesamt 2,2 Millionen Euro.

Der gesamte Radweg liegt im Bayerisch-Böhmischen Geopark und im Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald. Die Streckenführung auf der alten Bahntrasse erlaubt es, eines der geologisch ältesten Gebiete Mitteleuropas mit vielen sehenswerten Geotopen hautnah zu erleben. Ein- und Ausblicke in die Landschaft und Erkenntnisse zu den sie formenden Kräften gewinnt man hier in dichter Folge wie kaum anderswo in Deutschland. Neben den Zeugnissen der Erdgeschichte am Wegesrand bieten die Museen in Vohenstrauß und Pleystein einen Eindruck von den glitzernden Mineralfunden, die links und rechts der Strecke gemacht wurden.

Seit 10. September 2005 sind auch die tschechischen Radwege nach Stribro und Pilsen ab Eslarn/Tillyschanz eingeweiht. Der Bocklradweg ist somit Teilstück vom Paneuropa-Radweg von Paris nach Prag.